19. Oktober 2016 Allgemein / Hospitality Projects News @de / Interior Design News / Newsroom

Licht am Ende des Tals: Besuch im 7132 Hotel, Vals

Das lange 1. August Wochenende und die Ankündigung des schlechten Wetters lassen uns nach einer Gelegenheit suchen zum Relaxen, Baden, Schlemmen, Wandern… Also auf nach Vals, zur Badetherme ins 7132 Hotel, das mit frisch renovierten Zimmern weltberühmter Architekten lockt. Wie bei der Therme ist es wieder dieser verheissungsvolle Kontrast zwischen abgelegenem Talboden und weltoffener Architektur und Gastlichkeit.

Die Anfahrt wurde bereits viel beschrieben, viele Kurven führen nach Vals…

Hotelvorfahrt von Thom Mayne: Eleganz pur

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Wir fahren mit dem Auto vor: die vom amerikanischen Architekten Thom Mayne neu gestaltete Hotelvorfahrt ist elegant und grosszügig. Ein vielversprechendes Zeichen hat hier der Architekt gesetzt, der das geplante, spektakuläre Hochhausprojekt entworfen hat. Wir wohnen nun für drei Tage in einem Zimmer des japanischen Architekten Tadao Ando, atmen seinen Spirit des Zen.

Vier internationale, renommierte Stars der Architekturszene haben Zimmer im 7132 Hotel Vals gestaltet:

Zimmer von Tadao Ando: Die Kunst der Fuge

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Die Schweiz und Japan sind verwandt im Verständnis und im Umgang mit Materialien, der Konzentration auf perfekte handwerkliche Details und die Reduktion auf das Wesentliche. Im Zimmer sind ausser zwei Bettleuchten keinerlei Leuchten sichtbar: Alles Licht kommt aus Fugen, ein raffiniertes Zusammenspiel von Materialien und Licht, ohne Ablenkung durch Leuchten als Gegenstand. Kein Schreibtisch, kein TV, kein Sessel und Tisch: Die Schwelle zum Balkon ist als Podest ausgebildet, zwei flache runde Sitzkissen und ein kleiner Holzzylinder sind die minimalistische Antwort von Tadao Ando auf unsere gewohnten üppigen Sessel und Tisch: Wer das Bedürfnis nach bequemen Sitzen hat, sollte in die grosszügige Lobby dislozieren. Ausserdem gibt es dort mehr Angebote, da im Zimmer gleich auch noch Minibar und TV Tadao’s Konzentration aufs Wesentliche zum Opfer fielen…

Das Zimmer will nicht die Funktionen einer ganzen Wohnung ersetzen. Dafür ist die Lobby ja das Wohnzimmer mit allen Annehmlichkeiten…ausser Fernsehschauen im Bett. Hier wie in allen Zimmern sind höchstes handwerkliches Können und Qualitätsbewusstsein zu erleben. Regionale Materialien wie Holz und Stein und lokale Firmen wurden gewählt für die Ausführung. Diese Zimmer werden auch in 10 und 20 Jahren in einem guten Zustand sein: Das nenne ich nachhaltig!

Der Churer Architekt Andrea Giubini zeichnet mit seinem Team für die Umsetzung aller Entwürfe verantwortlich. Dafür fliegt er auch mal nach Osaka um sich mit Tadao Ando abzustimmen und Ausführungspläne unterschreiben zu lassen.

Zimmer Kengo Kuma: Das feminine Zimmer

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Meine weibliche Begleitung und geschätzte Designberaterin findet Kengo Kuma’s Zimmer feminin. Sie sind sicher deutlicher ein Hotelzimmer, näher am Gewohnten als Mayne und Ando, mit Vorhang, Tisch und Stuhl. Und doch wegen der grossformatigen Holzschindeln und vieler Details eine Gesamtkomposition, an die sich der Gast erinnern wird.

Kengo Kuma hat 23 von 73 Zimmern gestaltet.

Suiten Kengo Kuma: Reichlich Eleganz

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Drei Suiten hat der japanische Architekt zusätzlich zu den Hotelzimmern gestaltet. Die Materialisierung und Gestaltung ist ähnlich den Zimmern, aber alles ist exklusiver und reichhaltiger ausgeführt, seien es beispielsweise die technischen Gadgets oder das Bad. Die Suiten sind mittelgrosse Einbettsuiten mit eigener Terrasse, einer Badewanne im japanischen Stil aus Valser Quarzit und grossem Panoramafenster mit grossartigem Blick in die Berge. Die Suiten sind räumlich vom Hotelbetrieb getrennt und geniessen die besondere Serviceaufmerksamkeit der Mitarbeiter. Rund 3’000.- Franken kostet eine Übernachtung, inbegriffen ist die Anreise, mit hoteleigenem Helikopter und Limousine, von wo auch immer in der Schweiz. Weitere Nächte sind dann günstiger. Auch hier geht das visionäre Hotelteam in der Vermarktung mutig neue Wege, die vielversprechend sind.

Zimmer Thom Mayne: Die Höhle als Essenz

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Thom Mayne konnte 5 Zimmertypen gestalten, insgesamt 22 Zimmer von 73. Drei haben verschiedene Steinoberflächen, roh behauen, poliert und einmal mit dunklem Stein. Natürlich bedeutet Stein in Vals immer Valser Quarzit…  Zwei Zimmertypen sind Holzvarianten, Eiche roh und Eiche geschliffen. Dies bei exakt gleicher Gestaltung, also gleichem Grundriss, gleichem Licht und gleicher Möblierung.

Für mich extrem spannend, wie verschieden das gleiche Raumkonzept mit verschiedener Materialisierung und Oberflächenbearbeitung wirkt: Mal tendiert es ins Elegante und modern Bürgerliche, mal ins Urchige und rohe Bäuerliche: Die Zimmer mit grob behauenen Steinwänden und Steindecke wirken auf mich wie eine Höhle; vielleicht Mayne’s Statement zu Essenz und Kern einer Reise ans Ende des Valser Tals? Frei im Zimmer steht ein gläserner Kubus, eine Skulptur aus Glas, die Waschtisch und Dusche beinhaltet. Diese Installation wirkt besonders in den steinernen Zimmern wie ein leuchtender Kristall. Und gleichzeitig ist es ein futuristisch anmutendes Hightechobjekt.

Darauf angesprochen, dass es eigentlich schade ist, wenn ich als Hotelgast nur ein Zimmer erlebe antwortet Hoteldirektor Hans-Rudolf Rütti: „Der Gast kann immer wieder kommen und ein Zimmer nach dem anderen erleben! Aber das Hotel ist auch bereit, während eines mehrtägigen Aufenthalts den Gast auf dessen Wunsch mehrere Zimmer erleben zu lassen, also die Zimmer jeweils für eine Nacht zu wechseln“.

Und übrigens: Der Hotelgast hat jederzeit freien Zugang zur Therme, morgens von 7.00-11.00 Uhr sogar exklusiv. Wir genossen die wunderbare Stille…

Zumthor Zimmer: Zeitlose Schönheit

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Die Zimmer sind auch nach 10 Jahren in einem wirklich guten Zustand und strahlen zeitlose Schönheit und Behaglichkeit aus: Die konsequente Gestaltung Peter Zumthor’s ist ein starkes Stück Innenarchitektur. Die Oberflächen der Wände und Decken sind aus farbigem Stucco Lustro, einer ursprünglich aus Italien stammenden Gipstechnik. Es gibt sie in einer gelben, roten und schwarzen Ausführung. Zu den Charakteristiken gehören ein dunkler Parkettboden und eine offene Dusche mit einem Travertin- boden, die Richtung Schlafraum geöffnet ist. Die Zimmer sind mit Gegenständen bekannter Designer wie beispielsweise Verner Panton ausstaffiert. Vorhang, Möblierung und Leuchten sind wohnlich und wirken nach wie vor stylish. Auch hier wieder Freude über die Langlebigkeit eines guten Raumkonzepts ausgeführt in hoher Handwerks- und Materialqualität!

Fazit

Vier Architekten, die Weltstars der Szene, davon drei Pritzker-Preisträger, zeigen souverän ihr Können wenn sie als Innenarchitekten Hotelzimmer gestalten. Das eine oder andere übliche Hoteldetail wurde grosszügig übersehen, aber das wird wettgemacht durch aussergewöhnliche Herangehensweisen ans Zimmerdesign. Herausgekommen sind einprägsame Ikonen, in denen sich aufzuhalten sich für mich wie ein persönliches Privileg anfühlte… Kosmopolitisch und weltoffen und doch sehr stark vom Ort geprägt. Alle vier Architekten haben auch die Decke gestaltet und mit ins Raumkonzept einbezogen, was den starken Eindruck des jeweiligen Entwurfs noch zusätzlich verstärkt. Jeder Architekt hat ein charaktervolles, durchdachtes und originelles Raumkonzept entwickelt. Dies im Gegensatz zu so vielen Hotelzimmern, wie wir sie kennen, wo Oberflächen und Möblierung im besten Fall geschmackvoll und harmonisch zusammengestellt wurden, aber keine starke Entwurfsidee entwickelt und durchgezogen wurde.

Erst ein solches starkes Raumkonzept kann die Kraft entfalten, für den Gast unverwechselbar und unvergesslich und wirklich ein Erlebnis zu sein.

Wie wirkt die Strategie des Managements auf mich?

Vals ist eine Architekturikone; hier hat sich erwiesen, wie ein kleines Dorf im hintersten Tal mit viel Mut einen beachtlichen Platz in der Wahrnehmung einer Weltöffentlichkeit erklommen hat.

Die Bauprojekte, die nun mit weiteren Weltstars der Architektur von einem visionären Management realisiert werden, sind die konsequente Fortsetzung eines eingeschlagenen Wegs. Auch hier gilt: Wer etwas Ungewöhnliches unternimmt geht Risiken ein, gewinnt aber vielleicht die Zukunft.

Und: Wer nichts unternimmt gewinnt sicher nichts…

 

 

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