14. März 2017 Allgemein / Hospitality Projects News @de / Interior Design News / Newsroom

Das Zimmer als Spa

Ich stosse bei meiner Arbeit immer wieder einmal auf tradierte Denkmuster, die meine Bauherren und ich nicht hinterfragt haben und für gegeben halten. Bei näherem Hinsehen zerbröselt dann manchmal die vermeintliche Selbstverständlichkeit und eröffnet neue Chancen und Möglichkeiten…

Ein Beispiel: Ist der Businessgast kein Freizeitgast?

Heute verfliessen viele Grenzen, ein Business Gast hält sich vielleicht gern in Boutique Hotels auf, die seinem privaten Lifestyle entsprechen anstatt in einem konventionellen Hotel einzuchecken, auch wenn es stolz 4 oder 5* vorweist. Lobbies, Bars und Restaurants in angesagten Hotels werden zu Treffpunkten, Hot Spots, in der Stadt. Einheimische und Gäste vermischen sich, geniessen es unkompliziert in Kontakt zu kommen.

Kurz und prägnant gesagt: Work hard, enjoy life, stay in the flow…

Ich frage mich, auf unser Denken in Punkto Spa bezogen:
Schliesst ein eigenes Hotel-Spa ein Spa-Erlebnis im Hotelzimmer aus? Warum beginnt das Spa-Erlebnis für den Gast meist nicht schon in seinem Zimmer sondern erst im Hotel-Spa? Warum hört das Wellness Angebot bei der Badezimmertür auf und bezieht nicht das Zimmer mit ein?
Und zugespitzt: Kann ein Hotel ohne Spa-Bereich ein Wellness-Hotel sein?

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Was fördert das Wellbeing und die Behaglichkeit im Zimmer?
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Architektonisch beispielsweise gut wärmegedämmte Aussenwände und Fenster, die nicht Kälte abstrahlen. Wenn keine zentrale Lüftung vorgesehen ist, im Storenkasten integrierte, schallgedämmte Ventilatoren, die frische Aussenluft filtern (Allergikerzimmer) und in den Raum abgeben. Echte, gesunde Materialien. Gutes Licht, nach heutigem Stand der Technik vielleicht sogar an die Tageszeit angepasst: Also ein im Raum integriertes Lichtsystem, das die Lichtfarbe/Beleuchtung im Zimmer zyklisch an den Lichteinfall und die Tageszeit anpasst. Dadurch wird die Melatoninproduktion im Hirn beeinflusst, was unterstützend bei Jetlag oder einem Mangel bei Sonnenlicht wirkt. Allseits bekannte Elemente die ein Badezimmer in ein privates Spa verwandeln sind beispielsweise Duftaromen, regelbarer Wasserdruck zur sanften Massage, eine bequeme Badewanne, vielleicht mit Zusatzfunktionen wie Bubbles und eine Dampf- und Regendusche. Sanitär-Produkte gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle. Auf Fachmessen in Frankfurt oder Mailand kann man sich einen Überblick verschaffen.

7132_Hotel_Vals_IDA14_BadIn der Raumausstattung behaglich sind schöne Bettwäsche, ein qualitativ hochwertiges Bett, eine Auswahl verschiedener Kissen…7132_Hotel_Vals_IDA14_Schlafen

Um das ganzheitliche Spa-Angebot für den Gast abzurunden sollten alle Hotelleistungen, wie der Roomservice und das F&B Angebot unter anderem Detox Gerichte, gutes Wasser, hochwertige Frucht- und Gemüsesäfte oder Kräuterteemischungen und gesunde warme und kalte Gerichte zu den verschiedenen Tageszeiten anbieten. Eine weitere Möglichkeit dem Gast die Möglichkeit für sein gewohntes Workout anzubieten ist ein freier Konferenzraum der Gästen für Gymnastik oder Yoga-Übungen zur Verfügung gestellt wird oder einen Jogging-Treff zu organisieren.

Eine persönlich geschriebene, täglich wechselnde Anleitung für eine kurze Morgengymnastik im Zimmer. Es können Massagetermine oder Personal Trainer Stunden im Hotelzimmer stattfinden, gebucht über das Hotel. Natürlich müssen dafür geeignete Zimmer entsprechend gestaltet und ausgerüstet werden. Es würde aber vielleicht auch ausreichen, nur einen Teil der Zimmer so auszustatten und entsprechend als eigene Zimmerkategorie zu vermarkten.

Ich meine, ein Hotel das seinen Gästen ein ganzheitliches Spa-Erlebnis bietet sollte sich auf jeden Fall als Wellness –Hotel deklarieren können, auch wenn es keinen eigenen Spa-Bereich hat. Es gibt viele Möglichkeiten, die auch mit einem kleinen Budget umgesetzt werden können, die die Qualität des Aufenthalts für den Gast im Hotel erheblich verbessern. Kreativität ist gefragt.

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