20. September 2017 Allgemein / Design News @de / Hospitality Projects News @de / Hospitality Projekte / Innenarchitektur / Interior Design News / Newsroom / Reference list @de / Referenzen

Die Hotellobby im Gesellschaftswandel

Restaurant und Bar waren einst klar von der Lobby getrennt. In der Hotellobby checkte der Gast ein oder aus und holte sich bei Bedarf Informationen beim Concierge. Die Idee war, dass sich der Gast im Zimmer aufhält und dann zum Konsumieren im Hotelrestaurant oder der Hotelbar wieder auftaucht. Das entspricht aber längst nicht mehr den Erwartungen der Gäste; und es ist auch nicht im Sinn des Gastes gedacht.
Die Bedürfnisse, Ansprüche und Erwartungen der Gäste haben sich in den letzten Jahren mit dem veränderten Reiseverhalten stark gewandelt. Gäste sind weniger statusfixiert und werden designaffiner. Sie suchen Abwechslung, Originalität und überraschende kleine Details.

Eine moderne, zeitgemässe Lobby kommt den Wünschen des Gastes entgegen: Aufenthalt ohne gefühlten Konsumationszwang in komfortablen Sesseln und Sofas. Vielleicht ein Gemeinschaftstisch wo Magazine, Stadtführer und Coffee-Table-Books aufliegen und schnelles
WLAN zum Arbeiten und Recherchieren gratis angeboten wird. Ein Ort, wo man sich spontan zu einem informellen Treffen verabredet und die Möglichkeit gegeben ist, neue Leute kennenzulernen. Eine Bibliotheksecke mit diversen Büchern, Zeitungen und Spielen.
Der Businesscorner besteht nur noch aus einem Sessel mit hoher Rücklehne für die nötige Privatsphäre. Die Lobby soll ein gemütlicher, trendiger Ort sein, wo sich Einheimische und Gäste mischen. Sie geht weg vom Repräsentativen und entwickelt sich zu einem Ort, an dem Menschen Erfahrungen und Erlebnisse teilen, kommunizieren und zusammen den Ort erleben. Das Hotel wird zu einem Teil der lokalen Community. So schafft es das Hotel, dem Gast die Umgebung näherzubringen. Es findet eine Verzahnung von Innen und Aussen statt. Dies wird zum Beispiel durch Kooperationen mit lokalen Anbietern erreicht, die regionale und innovative Produkte in kleinen Shops in der Lobby präsentieren können.

Heute steht die Grosszügigkeit des Hoteliers dem Gast gegenüber im Vordergrund. Der Hotelier ermöglicht es seinem Hotelgast, aber auch Einheimischen aus der Umgebung, Teil der Community zu sein. Der Gast kann Teil der Gemeinschaft in der Lobby sein, mit der Möglichkeit, etwas zu konsumieren, aber ohne sich dazu verpflichtet zu fühlen. Diese Entwicklung öffnet neue Möglichkeiten für Hotels, die vorwiegend über kleine Zimmer verfügen. Da der Gast immer mehr Zeit in der Lobby verbringt, können kleinere Zimmer mit einer grossen, gemütlichen Lobby aufgewertet werden. Funktionen, die ein Zimmer bisher bieten musste, wie etwa Tisch und Stuhl zum Arbeiten, können durch einen komfortablen Sessel ersetzt werden. Denn die Gäste werden in Zukunft zum Arbeiten, Austauschen und Socializen vermehrt in die Lobby gehen.
Christoph Hoffmann, Mitgründer der deutschen Hotelkette 25hours und Deutschlands Hotelier des Jahres 2017, sagt zum Thema Lobby: «Für mich sind Hotels Ausgangspunkte zum Entdecken einer Stadt. Deshalb gestalten wir unsere Hotels so, dass der Gast nicht das Gefühl kriegt, er befinde sich irgendwo auf dem Globus wie bei vielen internationalen
Ketten. » Letztere würden in Zukunft ein grosses Problem mit «local players» bekommen, weil Reisende heute ein viel stärkeres Bedürfnis hätten, «die Stadt auch im Hotel zu erleben».
Im «25hours Zürich Langstrasse» gibt es in der grosszügigen offenen Lobby nicht nur Shops lokaler Szenelabels wie Freitag Taschen und den Buchverlag Kein & Aber – diese sind unbedient, bezahlt wird an der Réception –, sondern auch einen Ausstellungs- und Atelierraum für einen Künstler oder eine Künstlerin in Residence, mit temporärer Wohn-Arbeits-Ausstellungsmöglichkeit, gesponsert durch das Hotel.

  

 

Fazit

Wer heute einen Umbau der Lobby plant, sollte sich die veränderten Bedürfnisse und Erwartungen seiner Gäste genau anschauen: Das führt weg vom statusfixierten und vorwiegend funktional gedachten Ambiente hin zu einer offenen Begegnungsstätte, einem Ort zum Verweilen und Leute kennenlernen. Einem Ort, der vielfältige Angebote macht, mit regionalen Produkten überrascht und einladende Einblicke in Bar und Restaurant bietet. Einem Ort, der das Gefühl vermittelt, bereits mittendrin im lokalen Geschehen zu sein. Das bedingt, den Raum maximal zu öffnen, nicht nur im übertragenen Sinn, sondern auch baulich Mauern abzubrechen. Dies sind konzeptionelle Grundüberlegungen, die im Hintergrund, unabhängig von Stilen und Kategorien, für jedes zeitgemässe Projekt vorgenommen werden sollten. Sei es nun ein hippes «25hours» in Zürich, ein Ferienresort in den Bergen, ein Budgethotel in der Kleinstadt oder ein Fünfsterne-Plus-Haus am Genfersee.

Twitter LinkedIn Google Pinterest