8. September 2017 Allgemein / Design News @de / Hospitality Projects News @de / Hospitality Projekte / Innenarchitektur / Interior Design News / Newsroom / Reference list @de / Referenzen

Hotels mit Seele

In den vergangenen Ausgaben des «Hotelier» habe ich verschiedentlich über Aspekte der Ökologie und Nachhaltigkeit geschrieben. Wie etwa in der Sonderausgabe Innenarchitektur & Design 2016. In diesen Beiträgen berichtete ich über konkrete bauliche «harte» Themen wie Holzarchitektur, gesunde Materialien, Öko-Labels, um nur einige Apsekte zu nennen.
Es gibt jedoch eine andere Frage, die mich ebenso beschäftigt und die für mich ebenfalls viel mit Nachhaltigkeit zu tun hat: Nämlich die Fragestellung, ob gute Gestaltung einem Gebäude eine Seele geben kann. Der Begriff der Seele taucht öfter einmal in Gesprächen mit meinen Freunden und Bekannten auf, wenn sie von einem tollen Hotel schwärmen, das sie kennengelernt haben.

Präzise Geschichten und charaktervolle Materialien

In meiner Erinnerung tauchen Hotels auf, denen ich durchaus eine Seele zutraue. Hotels, die ich als eigentliche Sehnsuchtsorte empfinde. Sicher weil die Menschen, die mir dort begegnet sind, eine Herzlichkeit und einen Charakter ausstrahlen, die Voraussetzung für eine persönliche, warme Atmosphäre sind. Aber auch, weil die Küchen- und die Service-Crew mit ihrer engagierten, empathischen Arbeit sich in meine Sinne und Erinnerungen eingeschmeichelt haben.
Und nicht zuletzt auch, weil die Innenarchitektur genau diese Werte beinhaltet. Weil sie präzise Geschichten erzählt, die wie ein Fingerabdruck einmalig sind und einfach nur zu diesem Haus passen.
Weil die Materialien wie ein uns sympathischer Mensch Charakter haben, echt und ehrlich sind. Materialien und Details sind manchmal bewusst handwerklich einfach und gradlinig – aber dafür perfekt verarbeitet.
Die Schweiz ist für mich persönlich einzigartig auf der Welt: Der Spannungsbogen zwischen stark geerdetem und gelebtem, regional unterschiedlichem Traditionsbewusstsein und der globalen Spitzenposition in Innnovation, in Technologie und Wissenschaft ist inspirierend und eine kraftvolle Grundlage für meine Gestaltungskonzepte, für das Geschichtenerzählen.

Leidenschaft und grosses persönliches Engagement

Ich spüre als Gast auch an den Details der Gestaltung, dass hinter dem Projekt eine Leidenschaft, ein echtes persönliches Engagement steht. Dies treffe ich in meinen Bauprojekten vor allem bei inhabergeführten Projekten an, bei Familien, die existenziell mit dem Betrieb verbunden sind. Seltener, aber doch auch, bei kleineren Ketten und bei Brands, die diese Leidenschaft aus Überzeugung leben und kultivieren. Ist das nicht eigentlich selbstverständlich? Nein, leider nicht. Immer mehr Projektentwickler und Betreiber, in der letzten Zeit vermehrt auch aus dem Ausland in die Schweiz drängend, sind bilanzgetrieben. Sie denken in ausschliesslich betriebswirtschaftlichen Kategorien, sind getrimmt auf Expansionsdenken und sorgen sich hauptsächlich um das Ranking im Quartals-Reporting. Die Geschichten sind Nebensache, Mittel zum Zweck, werden in einer flüchtigen Grafik auf der Tapete erzählt, Schweiz wird auf einen Hirschgeweihkronleuchter reduziert, Swissness mit Alpenkitsch verwechselt.
Angebliche Steinwände sind nur zentimeterdünne Steintapeten, vermeintliches Massivholz dünnes Furnier oder gar einfach nur PVC-Imitat. Zeit für eine intensive und präzise Auseinandersetzung mit der wirklich spezifischen und eigenen Geschichte des jeweiligen Ortes ist keine vorhanden. In dieser gehetzten Mentalität hat die Seele keinen Platz.

Fazit

Ja, im übertragenen Sinn kann auch gute Gestaltung einem Hotel eine Seele geben, Teil der Seele sein. Ist das nachhaltig? Ja, das halte ich für äusserst nachhaltig, denn echte Materialien mit guter Verarbeitung sind unvergleichlich langlebiger und damit nachhaltiger als Billigausstattungen. Und über Erfolg und Misserfolg entscheiden auf Dauer nicht Gags und oberflächliche Details, sondern charaktervolle Empfindungen und Erinnerungen der Gäste. Empathie und Sympathie sind meines Erachtens nach wie vor entscheidende Kriterien. Diese Erkenntnis freut mich sehr und stimmt doch optimistisch, oder etwa nicht?

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