10. August 2013 Allgemein / Design News @de / Hospitality Projects News @de / Newsroom

Interview mit Karsten Schmidt für das Magazin Hotel Spec

Dieses Interview wurde geführt für das Magazin Hotel Spec. Hotel Spec ist das weltweit führende, jährlich erscheindende Nachschlagewerk mit Referenzen von Innenarchitekten und Spezialisten, die sich auf Hotel Design und Renovationen von Hotels konzentrieren.

Karsten Schmidt-Hoensdorf

Frager: Wie kamen Sie zum Hotel Design?

Karsten Schmidt: Vor, während und nach meinem Geschichts- und Politikstudium in Frankreich und Deutschland habe ich mich immer intensiv sowohl aktiv wie auch passiv mit Kunst und Architektur beschäftigt.

Als Journalist oder Historiker meinen Weg weiterzugehen schien mir weniger aufregend als mich auf  die praktische Anwendung von Phantasie, Kreativität und Emotion einzulassen.
So habe ich mit 30 Jahren ein zweites  Studium als Innenarchitekt begonnen und später diplomiert.

Schnell war für mich klar, dass die Gastronomie und Hotellerie meine Leidenschaft fesselt. Ich begann mit Clubs, Bars, Restaurants und kleineren Hotels. Gewann Wettbewerbe und konnte an den Reaktionen meiner Bauherren und der Medien ablesen, dass mein Weg stimmt…

Kochen, Reisen, Essen und Geniessen sind meine Passion. Emotionen zu erfassen und zu begeistern, Kulturen zu verstehen und darauf zu reagieren, all das finde ich in der internationalen Hotellerie, in der ich mich inzwischen bewege.

F: Das klingt sehr sympathisch und leidenschaftlich – heisst das, für Sie ist die Hotellerie Ihre Spielwiese?

K: Ja, ganz klar! Aber ich habe auch eine starke rational und konstruktiv ausgebildete Seite in mir, die gelebt werden will. Die intellektuelle, rationale Herausforderung eines so komplexen Bauwerks wie eines Hotels reizt mich deshalb und gibt mir eine grosse Befriedigung. Die Bedürfnisse der Gäste und der Mitarbeiter, funktionale Zusammenhänge, Unterhalt, Kostenmanagement, Mitarbeiterführung, all das ist sehr komplex miteinander verwoben. Es braucht deshalb neben der Kreativität auch Intelligenz, sehr grosse Erfahrung und gute Branchenkenntnisse, um alles im Auge zu behalten und zu berücksichtigen.
Teil von Hospitality Project Teams zu sein und mein langjähriges und breites Know-how einzubringen, macht mich einfach stolz!

F: Profitieren Sie in Ihrer heutigen Position noch von Ihrem Geschichtsstudium?

K: Ja, absolut! Ich bin ein Querdenker, habe durch meine intensive Beschäftigung mit Geschichte und Kunst ein tiefes Interesse und Verständnis für verschiedenste Kulturen. Verschiedenste Kulturen bedeutet sowohl geografisch, als auch gesellschaftlich.

Aus eigener Anschauung als Innenarchitekt kann ich sagen, ein hipper Music Club und ein Berghotel für Naturfreunde  in der Schweiz sind vielleicht mentalitätsmässig weiter auseinander, als zwei Businesshotels in Kalkutta und New York.

Aber verschiedenste Menschen, Mentalitäten, Erwartungen, Wünsche und Bedürfnisse zu begreifen und ihnen passende Räume zu gestalten, gefällt mir und ist und bleibt für mich sehr spannend.

Meine gestalterische Arbeit für ein Hotel bezieht sich immer auf verschiedenste Aspekte und Ebenen, wie beispielsweise den Ort, die Kultur, die Natur, die Geschichte und die Tradition.

F: Was sind weitere Aspekte oder Themen?

K: Natürlich analysiere ich präzise und grundsätzlich die Nutzung, die Ziele und Erwartungen der Auftraggeber und Nutzer, also Betreiber, Mitarbeiter und Gäste.
Durch meine langjährige Erfahrung sind aber auch die Funktionalitäten, die Kostenkonsequenzen, im Bauprozess und im späteren Betrieb eine Selbstverständlichkeit.

F: Worin differenzieren Sie sich von anderen Anbietern von Hospitality Design?

K: Einer meiner wesentlichen Unterschiede zu den meisten weltweiten Hospitality Companies liegt darin, dass diese betonen, keinen eigenen Stil zu haben. Sie erfüllen “nur“ die Wünsche der Bauherren.

Deshalb sehen die meisten Hotels in der Welt heute ähnlich aus. Sie versinken im Einheitsbrei und haben keinen klaren Auftritt, keine Individualität oder Originalität. Sie sind optisch kraftlos und austauschbar und in der Erinnerung der Gäste werden sie vergessen, sobald sie das Hotel verlassen haben.

Ich stehe mit meinem Team für  Charakter, Haltung, Originalität. Der Gast eines Hotels soll das Corporate Branding eines Hotels im individualisierten Corporate Interior Design erleben und sich daran erinnern.

Mich interessieren Spitzenleistungen, nicht das Mittelmass.

F: Haben Sie einen Gestaltungs Stil?

K: Ja, mich interessiert modernes, zeitgemässes Design. Wer sich die Arbeiten meines Büros ansieht, versteht schnell, was ich damit meine. Ich arbeite gerne auch in alten Gebäuden. Aber auch hier sehe ich den Reiz und die Spannung vom Neuen im Alten. Meine Innenarchitektur ist oft gleichzeitig opulent und reduziert. „Weniger ist mehr“ als moderner Designansatz ist, so wie ich es praktiziere, auch luxuriös und reichhaltig.

Raum ist Luxus. Die Wertigkeit eines Objekts  ist wichtiger als viel Plunder.

F: Bei den Recherchen zu diesem Interview teilte mir der Redakteur eines führenden internationalen Design Magazins mit, er halte Sie für einen der aktuell besten stylischen Hoteldesigner.
Teilen Sie diese Einschätzung?

K (lächelnd): Das schmeichelt mir, wenn ich auch finde, der  Redakteur neigt zur Untertreibung…

Aber im Ernst: Die Fähigkeit zur Transformation von Lifestyle und internationalen Strömungen in Kunst, Design und Kultur in räumliche Bilder und Raumkompositionen ist sicher eine meiner individuellen und herausragenden Stärken.

F: Sie waren und sind als Berater für Interior Design und Corporate Identity für verschiedene nationale und internationale Brands wie beispielsweise Sony und Electrolux tätig. Mich interessiert insbesondere Ihre Tätigkeit als Director Interior Design der Schweizer Luxushotelkette Swissôtel
Was sind Ihre Erfahrungen mit diesem Brand?

K: Als ich vor drei Jahren vom Swissôtel Management angefragt wurde, habe ich diese Aufgabe gerne angenommen.

Zunächst habe ich gemeinsam mit meinem Team und dem Swissôtel operations Team ein Design Manual entwickelt, das nun weltweit gilt und jährlich aktualisiert wird. Und von dem für Interessierte allgemein zugänglich eine Kurzversion als iPad App zur Verfügung steht: Swissôtel C&D

Swissôtel ist die einzige Hotelkette weltweit, die den Namen ihres Ursprungslands im Brandnamen führt. Swissôtel versteht sich als Repräsentant der Schweiz und ihrer Werte im Ausland. 
Die Schweiz hat nicht nur in der Hotellerie weltweit eine herausragende Geschichte und Rolle sondern auch in Architektur, Design und Grafik.

„Weniger ist mehr“,  zum Beispiel das Bekenntnis zu klarer Modernität, Präzision, Zuverlässigkeit, Funktionalität, Erstklassigkeit in Service und Design gehören dazu. Dies in Einklang mit dem Bedürfnis nach Komfort, Cosyness und gelebter echter Gastfreundschaft.
Dies alles in ein Buch zu fassen, eben das Design Manual, war eine grosse Herausforderung und eine persönlich bereichernde Erfahrung und eine eigentliche Forschungsarbeit.

F: Was genau tun Sie praktisch für Swissôtel?

K: Meine konkrete Beratungstägkeit beginnt mit Empfehlungen an unsere Investoren, welche Interior Designer sie anfragen sollen. Ist die Interior Design Company bestimmt, manchmal nach einem eingeladenen Wettbewerb,  dann briefe und coache ich diese Teams. Dabei spielen das Design Manual, weiterführenden Studien zu einzelnen Themen und natürlich meine eigene Erfahrung und Kompetenz die Hauptrolle. In der Regel lerne ich Investoren und Interior Designer in einem ersten Kickoff kennen.
Später kommentiere ich die Arbeiten, Präsentationen, Materialisierungen und so weiter der Interior Designer in Zusammenarbeit mit unserem Swissôtel Operations Team und den verschiedenen Projektbeteiligten. Das kann viele betreffen: Architekten, Landschaftsarchitekten und Lichtplaner, Küchenplaner, FF&E und OS&E Zulieferer, um einige zu nennen. 
Qualitätssicherung ist dabei, neben der Einhaltung der Designphilosophie, ein wichtiger Faktor.
Und selbstverständlich muss ich als Coach, der weltweit verstreuten Innenarchitekten immer voraus sein in Bezug auf neue Technologien, kreative Lösungen, wissen wie sich ein ROI (return on investment) berechnet und dergleichen. Bestes Beispiel dafür ist das Swissôtel Métropole.

F: Neueste Technologien und kreative Lösungen sind Schlagwörter:  Können Sie dafür Beispiele geben?

K: Heute kennt jeder Profi die Diskussionen über iPads, einchecken ohne Counter, Integration von Room Management Systems ins Check-In von Stammgästen und vieles mehr. All dies muss und wird von mir immer beobachtet und streng hinterfragt, ob es wirklich schon soweit ist, dass es von allen unseren Gästen auch intuitiv verstanden und genutzt werden kann.

Hier muss der Innenarchitekt eine harte Hand haben und „verlockenden“ Hightech Angeboten nüchtern widerstehen können.

Aber es tut sich vieles auch auf anderen Gebieten: Das Badezimmer im Hotel kann heute eine Spa Erfahrung sein, ein kleines Wellness.
Zum Beispiel durch die Ergänzung der Dusche mit einem Dampfgenerator oder der Badewanne durch mittlerweile hygienisch einwandfreie Jacuzzidüsen. Solche Dinge sind heute günstig zu haben, man muss einfach wissen, wo kaufen und wie einplanen.
Diese Zusätze sind auch gut zur Unterscheidung von Zimmerkategorien, wenn zum Beispiel bei gleichgrossen Grundrissen verschieden teure Zimmer entstehen sollen.

Desweiteren hält die Sensortechnik Einzug auch in die Badezimmertechnologie: Nehmen Sie hierfür als Stichwort: Stellen Sie sich vor, Sie bedienen alle Funktionen im Bad, also Wassermengen und Temperatur, Duschvariante, Licht, Sound, TV, etc. mit einem Touchpanel wie ein Ipad. Dieses ist aber einfach in die Gläser der Spiegel und Duschglaswand integriert.

Oder kreative Lösungen: Fast jedes Hotel wünscht sich ein über den ganzen Tag florierendes All Day Dining. Ich habe mit meinem Team umfangreiche Recherchen und Studien gemacht und ich denke, wir können hier überraschende und erfolgreiche Konzepte zeigen und Neue gestalten. Es sind genau solche diffizilen Problematiken, die mich anspornen zu sehen, ob nicht doch mehr geht, als normalerweise geboten wird.

F: Wie ist die Zusammenarbeit mit den Designbüros?

K: Durchweg positiv!
Was mich sehr reizt an meiner Aufgabe, ist das Kennenlernen so vieler, meist junger Designer, die ich als durchaus offen und neugierig gegenüber unseren Design- und Qualitätsansprüchen erlebe.
Ich fühle mich dann in der Rolle eines Lehrers oder Professors, der das jeweilige Level seiner Eleven erfasst und quasi pädagogisch, mit allem Respekt und aller Freude, zum möglichen besten Ergebnis führt.

Ich kam und komme so in Kontakt mit vielen Interior Design Companies weltweit. Firmen mit bis zu 900 Designern. Ich erhalte dadurch Einblick in Konzepte, Trends und länderspezifische Eigenheiten.
Und ich sehe verschiedenste Arbeitsweisen und Organisationsstrukturen von Designbüros. Dass verschiedene Organisationsstrukturen auch zu verschiedenen Ergebnissen in der Qualität des Designs führen, ist dabei eine meiner Erkenntnisse.

F: Wie ist das zu verstehen?

K: Die grossen Büros werden in der Regel von einem betriebswirtschaftlich ausgebildeten Management geführt. Die Interior Designer sind hier die ausführenden Mitarbeiter. Im Laufe eines Projektes erlebe ich häufig Wechsel im Designteam, was leider meist einen Verlust an Know-how zur Folge hat.
Dies im Unterschied zu einem designorientierten Büro, mit einem Interior Architect als Managing Director, der ein einmal angenommenes Projekt verantwortlich selber betreut und führt, von Anfang bis Ende.

F: Entspricht das auch der Struktur und Arbeitsweise Ihres Büros IDA14?

K: Ja, das ist tatsächlich so. Ich will nicht das grösste Büro führen, nicht die maximale Anzahl an Projekten umsetzen. Ich will die tollsten Projekte entwickeln und persönlich für die Bauherren und das Team als treibende Kraft und Gegenüber da sein.
Nur so will ich arbeiten, nur so wird es zu einer persönlich bereichernden Erfahrung. Eine Erfahrung, die es letztlich auch wert ist, den ganzen immer wieder herausfordernden Prozess auf  sich zu nehmen.

F: Der Weg als Ziel?

K: Das Ziel sollte für Alle ganz klar die herausragende Leistung sein, das wunderschöne und funktionale Hotel, gleichgültig ob Neubau oder Umbau:
Gäste die sich wohlfühlen, sich ungezwungen bewegen und sich willkommen fühlen, individuell und persönlich angenommen, in immer wieder überraschenden, die Lebensfreude und Sinne stimulierenden Ambientes. Und die dann auf TripAdvisor von Ihrer einmaligen Erfahrung schwärmen…
Und natürlich die Mitarbeiter:
Eine motivierende Umgebung für Mitarbeiter und Management, die es diesen ermöglicht, sich ebenfalls wohlzufühlen und dieses Gefühl den Gästen weiterzugeben. Eine Arbeitsumgebung, die es ihnen ermöglicht ihre Jobs optimal auszugestalten und zum Erfolg des Hotels ungebremst beizutragen.

So und nicht anders muss es sein.

F: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

K: Ich bin zufrieden mit meinem eingeschlagenen Weg und den Möglichkeiten, die sich mir bieten.
Ich spüre, dass ich viel weiterzugeben habe, meine Erfahrung in der Hospitality, mein künstlerisches Talent, mein Kulturverständnis.

Das weiter ausleben und ausbauen zu dürfen, wünsche ich mir.

 ***********

Weiterführende Informationen

 

***********

IDA14 
by Karsten Schmidt
Karsten Schmidt-Hoensdorf
Dipl. Ing. Innenarchitekt


Im Viadukt…7

Viaduktstrasse 73

CH 8005 Zürich

T: 0041 44 463 12 33
atelier@ida14.ch

30. Juli 2013, Karsten Schmidt-Hoensdorf
Online-Redaktion: Rosa Treccarichi, colorosa social media & marketing
Twitter LinkedIn Google Pinterest