8. Dezember 2017 Allgemein / Design News @de / Hospitality Projects News @de / Hospitality Projekte / Innenarchitektur / Interior Design News / Newsroom

Klein und fein

Die Planung eines Hotels ist eine komplexe Geschichte. Dafür braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Architekten und Innenarchitekten. Denn in einem Hotel spielt die Ausstattung und die Detailplanung eine wichtige Rolle, damit sich der Gast wohlfühlt. Ich habe jedoch in meiner ganzen Karriere als Hotel-Designer noch keinen Architekten getroffen, der nicht der Überzeugung war, auch im Alleingang ein Hotel planen zu können – ohne spezifisches Wissen um die enorme Komplexität eines Hotels. So sehe ich im Alltag meist Hotels, die zu grosszügig proportioniert sind, die zu grosse Zimmer und Flure aufweisen. Das hat krasse Folgen für das Budget. Wenn ich bei einem Kubikmeterpreis umbauten Raums (ohne Ausstattung) von 800 Franken ausgehe, macht das 2400 Franken pro Quadratmeter. Das führt bei 70 Zimmern à 26 m², die mit 20 m² völlig ausreichend dimensioniert wären, zu rund 1 Million Franken überflüssiger Mehrkosten nur schon für den Rohbau.

Man rechne … Kleinere Zimmer und Korridore verursachen zudem auch weniger Kosten etwa für die Fassade und die Haustechnik. Im Weiteren ist eine kleinere Lüftungszentrale notwendig. Damit ist die Sache aber nicht «gegessen»: 20 m² bedeuten in meinem Beispiel weniger Kosten in der
Ausstattung, weniger Parkett, Tapeten, Beleuchtung und so weiter. Die 25 Prozent Einsparung bei der Zimmergrösse machen sich später auch in den Betriebskosten deutlich bemerkbar: Beispielsweise durch weniger Energiekosten (Heizen, Kühlen, Licht usw.), tiefere Unterhalt- und Housekeeping- Kosten. Der Trend geht zu kleineren Zimmern, mit wenigen Ausnahmen braucht es heute keine grossen Schreibtische mehr, ein kleiner oder gar kein Schreibtisch sind in Ordnung. In einem Stadthotel mit einer durchschnittlichen Übernachtungsrate von 1,5 Nächten lebt der Gast mittlerweile aus dem Koffer: Es entfällt der konventionelle Schrank, es braucht smarte intelligente Lösungen für den Kofferbock, um lebensnah bei den Leuten zu sein. Wir forschen in unserem Team intensiv an solchen Detaillösungen, unsere Bauherren aus der Hotellerie bestätigen uns die Richtigkeit unserer Analysen und Lösungen.

Der finanzielle Unsinn unnötig gross dimensionierter Bauvolumen bleibt als Ballast für alle Zeit am Hotel kleben. Als Folge des «grosszügigen» Umgangs mit dem Baubudget wird es dann eng für das Budget des Innenarchitekten: Das ist fatal, denn der Gast bringt seine Wertschätzung nicht für die Grösse der Lüftungszentrale auf, sondern für die Servicequalität und für die Ausstattung der ihn umgebenden Räume.
Es gab Anfang der 1990er-Jahre eine interessante Entwicklung in New York: Der legendäre und immer noch aktive Ian Schrager übernahm die Hotels Paramount und Hudson und entwickelte mit dem Designer Philippe Starck eine Strategie: Die kleinen Zimmer der beiden Hotels behielten sie mehrheitlich bei, was erheblich Umbaukosten sparte. Dafür investierten sie viel in die Innenausstattung der kleinen Zimmer und auch in die öffentlichen Bereiche: So entstanden Lobbys, Bars, Restaurants, Bibliotheken, Dachterrassen und jede Menge Möglichkeiten, sich ausserhalb der Zimmer aufzuhalten: hochstehend ausgestattet, Hotspots in Town … Diese Strategie ist bis heute clever und richtig, aber leider wird sie zu selten verstanden und umgesetzt. Ich werde nie mein Amüsement darüber vergessen, dass es diese cleveren Typen geschafft haben, mir 450 Dollar pro Nacht für ein 14-m²-Zimmer aus der Tasche zu ziehen, und dass ich es dort trotzdem cool fand.

Fazit:

Der Trend geht Richtung kleinere Zimmer, gepaart mit grosszügigeren öffentlichen Aufenthaltsräumen mit hoher Qualität: Leute aus dem Quartier
und Hotelgäste treffen hier entspannt und neugierig aufeinander. Gäste arbeiten lieber in dieser Umgebung an ihren Laptops als einsam auf dem Zimmer. Es können bei sorgfältiger und präzise abgestimmter, lebensnaher Proportionierung des Hotelgebäudes grosse Einsparungen gemacht werden: in der Investition und in den nachfolgenden Betriebskosten. Ob diese Einsparungen für eine grössere Anzahl Zimmer, eine höhere Ausstattungsqualität oder als Rückstellung eingesetzt werden oder einem Mix aus allem: Das Ergebnis macht auf jeden Fall Freude.
Als Bauherr würde ich meinen Architekten auffordern, sich intensiver mit den Details zu beschäftigen; und vor allem ein Hotel von innen nach aussen zu planen statt sich ausschliesslich auf die maximal zulässige Ausnützung zu konzentrieren. In meinem Büro haben wir die Konsequenzen gezogen und bieten mittlerweile erfolgreich integral Innenarchitektur und Architektur an mit den entsprechenden Kompetenzen im Team.

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