23. März 2017 Allgemein / Hospitality Projects News @de / Interior Design News / Newsroom

Wettbewerb: Grand Hotel Terrace Engelberg

atelier ww
NEWSLETTER 01/2017

Engelberg_Turm_1Geschätzte Geschäftspartner und Freunde des atelier ww

Das Hochhaus in den Bergen wird zur realistischen Option: Für die Bergbahnen Engelberg – Trübsee – Titlis AG entwarf atelier ww im Rahmen eines eingeladenen Studienauftrages den Timber Tower – ein Hochhaus aus einer vorgefertigten Holzkonstruktion. Die enge Zusammenarbeit mit IDA14 (Innenarchitektur) und Häring & Co. (Holz- und Systembau) sowie weiteren Spezialisten war Voraussetzung für den hervorragenden raumplanerischen, architektonischen und betrieblichen Beitrag für die Erweiterung des Grand Hotel Terrace in Engelberg.

Alt- und Neubau im gleichberechtigten Dialog
Ohne den bestehenden Neurenaissance-Bau des Hotel Terrace wäre das Hochhaus nicht denkbar. atelier ww erklärt den gewagten Entwurf des Timber Towers für die Hotel-Erweiterung in Engelberg.

Swissness mit Holz und Ferdinand Hodler
Karsten Schmidt von IDA14 beantwortet im Interview Fragen zur Innenarchitektur des Timber Towers, Swissness im Hotel-Business und der Zusammenarbeit mit atelier ww.

Hoch hinaus in Holz
Der Holz-Konstruktion des Timber Towers liegt das System von Häring & Co. zugrunde.

Hotel Terrace Engelberg
Alt- und Neubau im gleichberechtigten Dialog

Das ortsbauliche Konzept basiert auf der Idee, Erweiterungsbauten und die Sanierung des Altbaus in ein Gleichgewicht zu bringen und damit ein ausgewogenes Verhältnis von neuen Volumen und dem sehr präsenten Altbau des Grand Hotels herzustellen. Die Erweiterung der Hotelzimmer wird in der Gebäudetypologie eines Hochhauses vorgeschlagen, welche bezüglich mehreren Aspekten dem historischen Altbau mit starker Identität Einhalt zu gebieten vermag. Die Aspekte sind Standort, Objektqualität, Proportion, Präsenz und Alleinstellungsmerkmal.
Engelberg_Turm
Die gewählte rotationssymmetrische Form des Holzturms verleiht dem Neubau ein Alleinstellungsmerkmal mit identitätsstiftender Kraft, welches der exponierten Lage Rechnung trägt und den historischen Altbau kontrastiert – bewusst etwas anderes ist. Ein ausgewogenes Verhältnis der Grösse der Volumen Hochhaus und Altbau lässt die beiden Grossformen als zusammengehöriges Ensemble in einen Dialog mit der Umgebung treten. Durch die radial angeordneten Zimmer entsteht eine Gleichwertigkeit der Gästebereiche. Die Auffächerung in den Räumen ist eine Antwort auf die exponierte Lage mit der schönen Aussicht auf Engelberg und das Alpenpanorama.

Der architektonische Ausdruck des Hochhauses wurde im Zusammenhang mit einer ortsverwandten Materialisierung und seiner spezifischen Nutzung gesucht. Die Projektidee sieht vor, den Turm vorwiegend mittels Holzkonstruktion zu entwickeln. Gemeinsam mit dem Holzbauspezialist konnten Lösungen bezüglich den statischen- und brandschutztechnischen Anforderungen aufgezeigt werden. Die Volumetrie verkörpert eine innovative Architektursprache und verspricht durch die Materialwahl eine hohe Objektqualität. Die umlaufenden auskragenden Balkone und das hölzerne Tragwerk lösen den Körper filigran auf und lassen die Nutzung mit dem Aussenraum in Beziehung treten. Das Material Holz schafft einerseits für die Benutzer eine angenehm warme Atmosphäre, andererseits erzielt der Hochbau einen Dialog mit dem naturgegebenen Umfeld der alpinen Landschaft.
Engelberg_zimmer_blau
Die Terrassen liegen in Anlehnung an die bestehende Topographie eingebettet vor dem bestehenden Hotelgebäude. Grosszügige Treppenanlagen verbinden die unterschiedlichen Niveaus und ein ausgeprägtes Wegsystem macht den gesamten Hotelpark als Aussenraum begehbar. Durch einen einheitlichen Belagsteppich entsteht ein gesamtheitliches Bild mit Verbindung über die unterschiedlichen Ebenen.

Interview….
Swissness mit Holz und Ferdinand Hodler
atelier ww: Der Wettbewerbsbeitrag für das Hotel Terrace in Engelberg besticht mit einem Hochhaus im Holzbau; wird da die Innenarchitektur zur Nebensache?
Karsten Schmidt: Architektur und Innenarchitektur greifen ineinander, sind unlösbar verbunden. Architektur ist nicht einfach äussere Form sondern Form und Inhalt. Ich empfinde Gebäude als Körper, als Organismen. Mit meinem Team arbeite ich daran, Projekte immer auch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit zu entwickeln. Nachhaltigkeit ist heute ein Muss und eine Selbstverständlichkeit. Holz und Holzbau spielen dabei eine wichtige Rolle.
Holz im Innenraum in der Tragstruktur und generell als Baumaterial nicht nur zu verwenden sondern auch zu zeigen und in Verbindung mit anderen Materialien zu einem guten Ganzen zu komponieren, ist für uns eine spannende Aufgabe. An einem Hochhaus in Holzbauweise mitzuarbeiten, wie es so noch keines auf der Welt gibt, ist schon sehr faszinierend …
Engelberg_zimmer_gruen
aww: Welche innenarchitektonischen Konzepte werden im Beitrag fürs Hotel Terrace verfolgt?
KS: Wir beschäftigen uns viel und intensiv mit Werten wie Swissness. So haben wir beispielsweise ein weltweit gültiges Design Manual für Swissôtel Hotels und Resorts entwickelt, wo diese Swissness ein zentrales Element ist. Ganz besonders in Schweizer Ferienresorts ist dies ein Thema, das die Gäste gerne erleben und erfahren möchten und wir sehen uns da in einer Verantwortung, das in einer guten, stilsicheren Art und Weise zu präsentieren. Im Hotel Engelberg war unser zentrales Gestaltungselement in der Innenarchitektur der Schweizer Maler Ferdinand Hodler. Es gibt zahlreiche Bilder von Ferdinand Hodler, die die Schweizer Landschaft und oft auch Berge darstellen. Ferdinand Hodlers Schaffenszeit fällt in die Zeit der Entstehung der Schweizer Grand Hotels in den Bergen, also auch des Grand Hotel Terrace in Engelberg.
Mich faszinierte an seiner Malerei schon immer die fast unglaubliche Farbigkeit der Landschaftstableaus, die sehr expressive Kraft und Vielfalt der Farben.
Wir haben nun für unser Engelberg Wettbewerbsprojekt aus einzelnen seiner Bilder die Farben extrahiert und daraus unsere dreidimensionalen Raumgestaltungen entwickelt: So hat jeder Raumtyp, ob Zimmer, Lounge Bar oder Restaurant, eine eigene, charakteristische Farbgebung. Angedacht war, Repliken der Originalgemälde aufzuhängen und das Hotelmarketing anzuregen, die entsprechenden Geschichten zu erzählen.
Im Projekt Engelberg gibt es aber weitere innenarchitektonische Konzepte, wie zum Beispiel den differenzierten Umgang mit Altbau und Neubau: Die gelebte Geschichte des Altbaus erhalten und das moderne Konzept des Neubaus unterstützen.

aww: Gibt es Tendenzen in den aktuellen Diskussionen über Innenarchitektur, spezifisch in der Hotelbranche?
KS: Ja, es gibt hier sehr spezifische Diskussionen und als Fachautor und Gastredner auf Hotelanlässen beteilige ich mich daran. Kurz zusammengefasst ist einer der wichtigsten Trends in der Hotellerie „Weniger Repräsentation, mehr Kommunikation“. Das meint, dass die Erwartungen und Haltungen eines rapide steigenden Gästesegments kein Interesse mehr an repräsentativen Nobelhotels hat, die als Monolithen einsam in den Städten herumstehen. Diese Gäste wollen die Stadt, den Ort spüren und erleben, wollen in Kontakt kommen. Diese in meinen Augen positive Entwicklung hat für mein Team und mich beispielsweise zur Folge, dass wir die Umgebung und ihre Menschen und Kultur in unsere Planungen mit einbeziehen, versuchen, Lobbies, Bars und Restaurants zu Treffpunkten zu machen.
Engelberg_lobby
aww: Welchen Bezug hast du zum atelier ww und wie sieht die Zusammenarbeit mit atelier ww aus, spezifisch beim Projekt Hotel Engelberg?
KS: Den ersten Bezug zum atelier ww hatte ich bereits während meines Architekturstudiums, als ich als leitender Innenarchitekt beim atelier ww gearbeitet und mir damit mein Studium finanziert habe. Seit dem haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt, zuletzt bei der Zusammenarbeit beim Projekt Hotel Engelberg.
Die Zusammenarbeit beim Projekt Hotel Engelberg war intensiv und hat uns nicht nur fachlich wieder einmal neue Erkenntnisse gebracht: Es hat meinem Team und mir auch einfach Spass und Freude gemacht, mit dem sympathischen und aufgestellten Team vom atelier ww gemeinschaftlich und in relativ kurzer Zeit ein komplettes und komplexes Projekt zu entwickeln. Auch das ist eine tolle Seite von Kooperationen in Wettbewerben und bei Projekten. Ich denke, die Erfahrungen beider Büros wurden erfolgreich genutzt, um einen sehr guten Entwurf zu realisieren.

aww: Wer ist Karsten Schmidt-Hoensdorf? Wer ist IDA14?
KS: Ich bin Gründer und kreativer Kopf des 1993 gegründeten Zürcher Architekturbüros IDA14. Nach meinem Studium der Geschichte und Politikwissenschaften in Toulouse und München wandte ich mich der Architektur zu und schloss ein Studium der Innenarchitektur ab. Seit der Gründung meines Architektur und Design Studios IDA14 habe ich mit meinem Team Projekte in allen klassischen Bereichen der Innenarchitektur im In- und Ausland umgesetzt. Über Jahre war ich als Berater für Hotelentwicklungen und Renovierungen für Swissôtel Hotels & Resorts weltweit in der Position des Director Interior Design verantwortlich.
Karsten Schmidt-Hoensdorf_IDA14
IDA14 by Karsten Schmidt ist ein Architektur und Design Studio das sich auf die Innenarchitektur von Projekten in den Bereichen Hospitality und Corporate Identity spezialisiert hat. Der Fokus liegt auf der Entwicklung von umfangreichen, innovativen Raumkonzepten mit hohem Wiedererkennungswert und starkem individuellen Charakter. Die Innenarchitektur von IDA14 ist geradlinig, zeitgemäss, künstlerisch und funktional. Sorgfältige Analysen, originelle Lösungen, effizientes Planen und koordiniertes Arbeiten in Projektteams gehören zum Vorgehen von IDA14. Wir haben uns auf das Finden der feinen Balance zwischen moderner, zeitgemässer Ästhetik und warmer Raumatmosphäre spezialisiert.

Konstruktion….
Hoch hinaus in Holz

Der rotationssymmetrische Grundriss mit zentraler Erschliessung aus dem Kern führt zu ökonomischen Vorteilen sowohl im Baukonzept als auch später im Betrieb. Der zentrale und massive Kern übernimmt primär eine aussteifende Funktion der Wind- oder Erdbebenlasten. Das angedockte und systematisierte Holztragwerk ermöglicht eine modulare und rationelle Bauweise innerhalb einer Bausaison. Die Wände sind nicht tragend ausgeführt, und gewährleisten eine angemessene Flexibilität in der Raumaufteilung.
Radial angeordnete Unterzüge in Brettschichtholz tragen die massiven, kreuzverleimten Geschossdecken und leiten deren Lasten auf vertikale Stützen ab. Die Stützen sämtlicher Normalgeschosse, ebenfalls in Brettschichtholz, liegen konsequent in analogen Achsen und leiten alle Lasten auf direktem Weg in die Fundation. Die Torsionssteifigkeit der Gesamtstruktur, wird mit konstruktiven Massnahmen im Bereich der Aussenfassade und bei den abschliessenden Wandscheiben des Treppenhauses sichergestellt.

Das Projekt wurde mit der Firma Häring + Co. AG und dem Institute of Structural Engineering von der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. sc. Techn. Andrea Frangi entwickelt. Das vorliegende Hotelkonzept als Holzbau kann in der alpinen Bergwelt zum beachtenswerten Milestone für innovative Nutzung werden.

atelier ww
atelier ww Architekten SIA AG I Asylstrasse 108 I Postfach 2024 I CH-8032 Zürich

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