8. September 2016 Allgemein @en / Hospitality Projects News / Interior Design News / Newsroom

Good design and ecology – harmony or contrast? Which hotels are living sustainability holistically and not just talk about it?

This article was only published in German.

An Ökologie kommt man heutzutage nicht mehr vorbei. In der Landwirtschaft ist es seit vielen Jahren fest integrierter Bestandteil. In der Politik wird es immer wieder thematisiert und beim Umweltschutz wird stetig versucht den globalen Fussabdruck der Schweiz zu verkleinern. Es ist augenscheinlich, dass sich die Ferienhotellerie immer mehr für Ökologie einsetzt und diese auch lebt. Warum geht diese Entwicklung gänzlich an der Stadthotellerie vorbei? Mit meiner Recherche möchten ich beleuchten, wie stark sich die Schweizer Hotels für die Umwelt einsetzen und sich mit dem Thema Ökologie auseinandersetzen. Welche Hotels leben Ökologie ganzheitlich und sprechen nicht nur darüber?

Labels / Zertifizierungen / Normen:

Es gibt einen ganzen Dschungel von Zertifizierungen und Labels, die sich mit dem Thema Ökologie beschäftigen. Drei relevante Zertifizierungen sind Minergie, ISO 14001 und Green Living.

Minergie

Minergie ist ein Baustandard für neue und modernisierte Gebäude. Mit Minergie soll ein hoher Wohn- und Arbeitskomfort durch eine hochwertige Bauhülle und eine systematische Lufterneuerung erreicht werden.

Das APARTHOTEL Rotkreuz ist ein Hotel, das nach dem Minergie-Standard gebaut worden ist. Neben Minergie setzt sich das Aparthotel auch ganzheitlich für Nachhaltigkeit ein. Dies umfasst unter anderem eine Erdsondenheizung, regionale Zulieferer, Unterstützung lokaler Vereine und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.

Warum hat sich das Hotel entschieden sich für Ökologie einzusetzen?

Kurt Müller, Verwaltungsratspräsident APART AG: „Am Beispiel der von uns eingebauten Erdsonden zeigt sich, dass die Anfangsinvestitionen zwar gross sind, sich diese aber aufgrund dem langfristig gesehenen Nutzen lohnen (geringere Energiekosten).  Zudem verbleibt mehr Geld in der schweizerischen Wirtschaft. Wir wollen für die Branche ein Vorbild sein. Auch leben wir in einer Gemeinde, die das Label «Energiestadt» trägt. Mit unseren Bemühungen tragen wir dem Rechnung. Als gutes Beispiel eignet sich das Konzept «Granderwasser»: Damit entfällt die ökologisch fragwürdige Wasser- und Flaschenlogistik (Import und Transport in Glas- oder Petflaschen).“

 

Aparthotel_Rotkreuz_Zimmer_IDA14

 

ISO 14001:

Die ISO Normen sind bei den meisten Hoteliers in der Schweiz ein Begriff. Neben der bekanntesten ISO 9001 gibt es auch die Norm ISO 14001. Diese definiert weltweit gültige Kriterien für effiziente Umweltmanagementsysteme. Die Norm bildet die Grundlage für die Optimierung umweltrelevanter Prozesse und für die Minimierung von Risiken und Umweltbelastungen in Unternehmen. Die ISO 14001 kann in Verbindung mit der ISO 9001 zum integrierten Managementsystem erweitert werden.

„Das Saratz verfolgt bereits seit knapp 10 Jahren einen ökologischen Ansatz (Start 2007). Seit 2010 ist das Haus mit einem ISO 14001 Zertifikat ausgezeichnet worden. Seit 2015 wird das Hotel zu 60% mit einer geothermischen Pumpe geheizt.“-sagt Thierry Geiger, General Manager des Hotel Saratz.

 

Saratz_Hotel_Aussenansicht_IDA14

 

Spezialisierungskategorie „Green Living“ der Hotellerie Suisse:

Zusätzlich zu der klassischen Hotelklassifizierung mit Sternen kann sich ein Hotel auch in Spezialkategorien klassifizieren lassen. Green Living ist eine dieser Spezialisierungskategorie der hotelleriesuisse.

Ein Hotel mit der Spezialisierungskategorie Green Living engagiert sich nachweislich im Umweltbereich und ist mit einem entsprechenden (von hotelleriesuisse anerkannten) Label ausgezeichnet. Insgesamt gibt es 19 Hotels in der Schweiz, die sich als Green Living Hotel bezeichnen dürfen. Eines davon ist das Hotel Saratz, das sich neben der ISO 14001 auch für die Zusatzklassifizierung Green Living entschieden hat.

Hat das Hotel Saratz schon Feedbacks von den Gästen zur Nachhaltigkeit/Ökologie erhalten?

„Manche Gäste erklären uns in Einzelgesprächen, dass sie sich eher für eine Buchung im Hotel Saratz entschieden haben, da sich das Hotel mehr für die Umwelt engagiert als andere Hotels. Wir haben jedoch noch nie einen Gast gehabt, welcher dies als Bedingung für eine Buchung ansieht.“ – sagt Thierry Geiger, General Manager Hotel Saratz.

 

Saratz_Hotel_ElaEckZimmer_IDA14

 

Holzbau:

Ein Schwerpunktthema wenn man über Ökologie in der Hotellerie spricht sind auf jeden Fall auch die baulichen Rohstoffe, die verwendet werden. Bei einem Neu- oder Umbau müssen zahlreiche Kriterien erfüllt werden, die entscheidend für den verwendeten Rohstoff sind. Die Vor- und Nachteile eines Holzbaus sind im nachfolgenden Text aufgeführt. Dabei ist zu erwähnen, dass ein Holzbau nicht zwingend als solcher optisch erkennbar sein muss.

Beat Lauber, diplomierter Holzbauingenieur FH SIA Hotels bestätigt, dass Hotels als Neubau in der Schweiz wirklich rar sind. Insbesondere wegen den bis 2015 geltenden Brandschutzvorschriften. Im Hinblick auf die BSV2015 sind dann einige Hotelneubauten in Planung und teils auch in Umsetzung geführt worden. Die zwei folgenden Beispiele zeigen, wie Hotels (Holzbauten) aus der Jugendstilzeit komplett in Holz umgebaut werden konnten:

 

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„Die neuen Brandschutzvorschriften, die seit 2015 gelten unterscheiden nicht mehr zwischen brennbarem und unbrennbarem Baustoff. Entscheidend ist das effektive Verhalten des Materials bei einem Brand. Stahl etwa brennt zwar nicht, wird aber bei 1000 Grad flüssig – was Decken mit Stahlträgern zum plötzlichen Einsturz bringen kann. Holz hingegen ist zwar brennbar, verhält sich aber voraussehbar und erlaubt planbare Sicherheitsmassnahmen.“- Bundesamt für Umwelt BAFU.  

 

„Ein grosser Vorteil von Hotelbauten in Holz ist die Möglichkeit des einfachen Umbaus. Holzbauten können bei laufendem Betrieb umgebaut werden, bei Betonbauten ist das fast nicht möglich (Lärmbelastung). Und vor allem bei grossen Hotels wird ja relativ fleissig umgebaut, erneuert, etc.“ – sagt Beat Lauber.

 

„Alfred Kammerhofer, Chef der BAFU-Sektion Holzwirtschaft und Waldwirtschaft nennt weitere Trümpfe des Holzbaus: „Holz bindet das Klimagas CO2. Zudem kommt es gegenüber dem Massivbau mit dünneren Wänden aus, was die Nutzfläche um 5 bis 8% wachsen lässt. Und beim Abbruch kann Bauholz beispielsweise zu Platten verarbeitet und nach dieser Nutzung schliesslich noch zur Energieerzeugung verbrannt werden. Die Baukosten für Holzbauten können zwischen 3% günstiger und 5% teurer sein gegenüber konventionellen Gebäuden aus Beton und Ziegeln. Dafür sind sie günstiger im Betrieb der rund 80% der gesamten Lebenskosten eines Gebäudes ausmacht. Holzbauten sind deshalb besonders für Investoren interessant, welche die Nebenkosten tief halten wollen und sich zunehmend einem nachhaltigen Bauen verschreiben.“

 

Auch Pirmin Jung, Geschäftsführer Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau AG bestätigt: „Im Holzbau hat während der letzten zwanzig Jahre eine enorme Entwicklung stattgefunden. Die Denkweise von früher “warum ein Holzbau” wurde mittlerweile erfreulicherweise von “warum KEIN Holzbau” abgelöst. Eine Entwicklung, die uns natürlich stolz macht und motiviert, den angefangenen Weg weiter zu gehen.“

 

An den folgenden zwei Beispielen der Pirmin Jung Ingenieure AG, werden die verschiedenen Möglichkeiten, wie unterschiedlich ein Holzbau aussehen kann, deutlich.

 

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Leuchtturm-Projekt: Mountainresort LAAX der Weissen Arena Gruppe

Ein Visionär war Reto Gurtner schon immer. Deshalb war es mir sehr wichtig mich im Rahmen meiner Recherche mit der ambitionierten Vision zu beschäftigen: LAAX wird das erste, selbstversorgende Winterresort weltweit. Im Gespräch mit Christoph Schmidt, Mitglied der Geschäftsleitung, verantwortlich für die Hotellerie und Gastronomie, haben wir Fragen rund um die Ökologie thematisiert.

 

Sehr schnell kamen wir während unseres Gespräches auf den Label-Dschungel in der Schweiz zu sprechen. Woraufhin mir Christoph Schmidt erklärte, dass genau diese Vielzahl von verschiedenen Zertifizierungen und Labels dazu geführt hat „GreenStyle“ zu entwickeln. „Greenstyle“ ist ein Label, dass für das ganze Unternehmen angewendet werden kann und mit dem sich die ganze Region identifiziert. „Ein Label und eine Vision helfen dabei das Denken zu institutionalisieren, denn umso grösser ein Unternehmen wird, umso wichtiger wird die Vision, die alles vereint und mit der sich jeder Mitarbeiter identifizieren kann.“

Sehr früh ist sich die Weisse Arena Gruppe darüber bewusst geworden, wie wichtig das Kapital der Natur für die ganze Region und deren Zukunft ist. „In der Schweiz können wir uns früh erlauben an die Umwelt zu denken und diese zu schützen.“ – sagt Christoph Schmidt.

 

Ein wichtiger Punkt, mit dem sich die Weisse Arena Gruppe auseinander gesetzt hat ist die Frage: In welcher Dimension beschäftigt man sich mit Nachhaltigkeit und wie will man dem Gast zeigen, dass man sich für die Umwelt einsetzt? Eine andere Frage, die ebenfalls sehr wichtig ist und die vorab geklärt werden musste: Was kann und was will ich für die Umwelt im Moment und in der Zukunft leisten? Dabei betonte Christoph Schmidt, dass die Kosten bei jedem Punkt nicht die entscheidende aber trotzdem eine wichtige Rolle spielen, da ein Unternehmen neben dem Engagement für die Umwelt auch wirtschaftlich erfolgreich sein muss.  

 

Beim rocksresort zeigt sich auf eindrückliche Weise, dass moderne Architektur, schönes Design und Nachhaltigkeit sich nicht ausschliessen sondern dem Gast ein einzigartiges Erlebnis bieten. „Die Schlafräume sind mit unbehandeltem, massivem Eichenholz ausgekleidet, die Wände und Böden im Wohnbereich sind in Sumpfkalk und Beton ausgeführt.“

 

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Heutzutage gibt es verschiedenste Möglichkeiten sich für die Ökologie einzusetzen. Die Entwicklung in der Bautechnik ist beispielsweise rasant. So gibt es immer mehr Holz-Neubauten, da die Vorteile vermehrt für den Baustoff Holz sprechen. Reto Gurtner plant bereits das nächste Projekt, dass ein Holzbau sein wird. Christoph Schmidt betont, dass es Ihnen wichtig ist mit ihren neuen Projekten Impulse zu setzen.

Neben der Bauweise ist auch die Energiegewinnung ein zentraler und wichtiger Faktor, wenn es um Nachhaltigkeit und den Schutz der Ressourcen geht. Natürlich sind auch die Abfallreduktion und der Einsatz ökologisch hergestellter Produkte ein wichtiges Kriterium. „Ein Neu- oder Umbau hat immer einen Katalog mit Kriterien, der erfüllt werden muss – aber wie diese Kriterien erfüllt werden, entscheidet jeder Hotelier selbst.“ – sagt Christoph Schmidt.

 

Fazit:

Die oben aufgeführten Beispielhotels zeigen, dass Ökologie hauptsächlich in der Ferienhotellerie ganzheitlich und glaubwürdig umgesetzt wird. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass in den Manuels der Kettenhotels Nachhaltigkeit in den verschiedenen Bereichen aufgeführt, aber selten gelebt wird.

Was mir bei der Recherche für diesen Artikel aufgefallen ist, sind die vielen Websiten und Labels, die es zum Thema Ökologie gibt. Dadurch wird es auch für den Gast schwierig und fast unmöglich Hotels, die sich ganzheitlich für die Umwelt einsetzen, zu finden.

Bei den im Text aufgeführten Hotels zeigt sich, dass sich Ökologie und gutes Design nicht ausschliessen. Ganz im Gegenteil, es ist ein Geschäftsmodell, mit dem sich Hoteliers ganz klar von den grossen Hotelketten abheben und sich als Leuchtturmhotel erfolgreich in der Schweiz positionieren können.

 

 

Der Autor

Karsten Schmidt-Hoensdorf ist Gründer und kreativer Kopf des Zürcher Architekturbüros und Interior Design Studios IDA14.

Der Branchenfokus liegt in den Bereichen Hotellerie, Branding und Kultur.

In den letzten 20 Jahren verwirklichte er zahlreiche Projekte in der Privat- und Kettenhotellerie und war weltweit als Berater nationaler und internationaler Hotelprojekte tätig.

 

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karsten.schmidt@ida14.ch

www.ida14.ch

Den Originalartikel lesen Sie hier

 

 

 

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