10. July 2017 Allgemein @en / Design News / Hospitality Projects News / Hospitality Projekte / Innenarchitektur / Interior Design News / Newsroom

Little Oasis

This article was only published in German.

Wellbeing sollte sich nicht auf den Spa-Bereich eines Hotels beschränken. Nach Ansicht des Innenarchitekten Karsten Schmidt-Hoensdorf vom Zürcher Designbüro IDA14 fängt Wellness bereits im Hotelbad an und geht im Zimmer weiter.

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sind mittlerweile fließend. Manch ein Businessgast hält sich heute lieber in einem Boutique-Hotel auf, das seinem persönlichen Lifestyle entspricht, als in einem konventionellen Stadthotel. Lobby, Bar und Restaurant werden in angesagten Hotels zum Treffpunkt, in dem Hotelgäste mit Einheimischen in Kontakt kommen. Doch wie entwickelt sich in diesem Zusammenhang eigentlich das Hotelbad? Warum beginnt das Spa-Erlebnis für den gestressten Businessgast meist erst im Wellnessbereich und nicht auf seinem Zimmer? Und wie übertr.gt man den Wellnessgedanken auf das gesamte Hotelzimmer?

Im Hotel 7132 in Vals werden zurzeit 18 Suiten aufwendig umgebaut. Das Thema Cocooning spielt beim neuen Designkonzept eine tragende Rolle. Gäste sollen sich auf den Zimmern geborgen fühlen und gern auch viele Stunden dort verweilen. Aus diesem Grund bedient sich das Team um den Churer Architekten Andrea Giubbini der Wirkung von Textilien: Vorhänge werden grosszügig in die Räume hineingezogen, die das Zimmer partiell wie einen Kokon auskleiden. Aber auch andere Details verleihen einem klassischen Hotelzimmer Wellness- Charakter. Architektonisch ideal sind beispielsweise wärmegedämmte Wände und Fenster, die keine Kälte abstrahlen. Wenn keine zentrale Lüftung vorgesehen ist, sollten im Storenkasten integrierte schallgedämmte Ventilatoren die frische Aussenluft filtern und in den Raum abgeben. Dies ist insbesondere für Allergikerzimmer ein Muss.

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Zu einem vollendeten Wohlbefinden tragen auch natürliche, gesunde Materialien bei. Gutes Licht, nach heutigem Stand der Technik vielleicht sogar an die jeweilige Tageszeit angepasst, ist ebenfalls wesentlich für den Komfort des Gast. Will heissen: Ein im Raum integriertes Lichtsystem, das die Lichtfarbe und Beleuchtung im Zimmer zyklisch an den Lichteinfall und die Tageszeit anpasst. Dadurch wird die Melatoninproduktion im Hirn beeinflusst, was bei Jetlag oder einem Mangel an Sonnenlicht hilfreich sein kann. In der Raumausstattung punkten eine schöne Bettwäsche, ein qualitativ hochwertiges Bett sowie eine Auswahl verschiedener Kissen. So viel zum Zimmer selbst.

Allseits bekannte Elemente, die ein Hotelbad in ein kleines Private-Spa verwandeln,sind beispielsweise Duftaromen, ein regelbarer Wasserdruck zur Massage, eine bequeme Badewanne mit Whirlfunktion sowie eine Dampf- und Regendusche. Sanitäre Produkte gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle. Auf Fachmessen in Frankfurt oder Mailand können sich Hoteliers einen Überblick verschaffen.

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Der Gast möchte heute allerdings das Individuelle und Besondere eines Ortes erleben, an dem er sich befindet. Einheitlichkeit und Prestige rücken immer mehr in den Hintergrund. Dieser Trend macht auch vor dem Bad nicht Halt: Der Gast möchte in eine andere Welt eintauchen und die Eindrücke des Ortes und die Umgebung entspannt auf sich wirken lassen. Dafür können beispielsweise bedruckte, farbige oder gelaserte Glasscheiben verwendet und effektvoll eingesetzt werden. Ein schönes Beispiel für die effektvolle Inszenierung farbiger Glaswände ist die gelbe Dusche, die der Pritzker Preisträger Thom Mayne für das 7132 Hotel in Vals gestaltetet hat. Die Dusche ist ein frei im Zimmer stehender Kubus, eine Skulptur aus Glas, die Waschtisch und Dusche beinhaltet. Diese Installation wirkt in den steinernen Zimmern wie ein leuchtender Kristall. Und gleichzeitig ist es ein futuristisch anmutendes Hightech-Objekt.

Die Technik ermöglicht es heutzutage Bilder, Objekte, Farben und sogar Stoffe auf Glaswände oder Spiegel zu applizieren. Werden diese Spiegel oder Glaswände mit Licht ausgeleuchtet, kann dem Badezimmer eine anregende oder auch beruhigende Stimmung verliehen werden. Der Gast hat dadurch die Möglichkeit, in seinem Badezimmer eine einzigartige Wellness-Atmosphäre zu erleben.

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Eine andere Möglichkeit, Emotionen zu kreieren, sind Glaswände, in die mit Lasertechnik Formen oder Bilder eingraviert werden. So hat beispielsweise eine Schweizer Firma, die auf Glas- und Spiegel-Technik spezialisiert ist, eine neue Gravurtechnik entwickelt, die es ermöglicht, Bilder und Vektorgrafiken in höchster Qualität auf der Glasoberfläche oder im Glasinneren zu reproduzieren. Durch die Gravur im Glasinneren lassen sich dreidimensionale Bilder erzeugen. 

Tipp: Um das Angebot für den Gast ganzheitlich abzurunden, sollten alle Hotelleistungen auf das Thema Private-Spa abgestimmt sein. Das kann vom Roomservice bis hin zum F&B-Angebot reichen. Ob Detox-Gerichte, gutes Wasser, hochwertige Frucht- und Gemüsesäfte und Kräuterteemischungen sowie gesunde warme und kalte Gerichte zu den verschiedenen Tageszeiten bieten einen Mehrwert.

Einige Gäste legen zudem Wert darauf, auch auf Reisen ihr Fitnessprogramm zu absolvieren. So kann das Hotel etwa einen freien Konferenzraum für Yogaübungen zur Verfügung stellen oder sogar das Zimmer dementsprechend umgestalten. Aktuelles Beispiel hierfür ist der Vitality-Room, den Swissôtel vergangenes Jahr eingeführt hat. Das neue Zimmerkonzept wurde in Zusammenarbeit mit Partnern wie Vitra, Laufen, Dornbracht oder Philips umgesetzt und setzt voll auf das Thema Wellness: mit einer klaren Materialauswahl, diskreten Technologien und einem abgetrennten Bereich für Training und Entspannung. Natürlich müssen dafür Zimmer entsprechend gestaltet und ausgerüstet werden. Es würde aber vielleicht auch ausreichen, nur einen Teil der Zimmer so auszustatten und entsprechend als eigene Zimmerkategorie zu vermarkten.

Fazit: Es gibt viele Möglichkeiten, Bäder zu etwas Besonderem zu machen. Dafür braucht es nicht zwingend ein großes Budget. sondern Kreativität.

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