10. May 2016 Allgemein @en / Hospitality Projects News / Interior Design News / Newsroom

The perfect orchestration of a hotel – the South Beach, Singapore

This article was only published in German.

HOTEL-DESIGNER KARSTEN SCHMIDT ÜBER «THE SOUTH BEACH» IN SINGAPORE

Ist das die perfekte Hotel-Inszenierung?

«The South Beach» in Singapore setzt neue Massstäbe, wenn es um Design und Hotel-Architektur geht.
Der prominente und erfolgreiche Schweizer Hotel- Designer Karsten Schmidt hat das 654-Zimmer-Hotel im asiatischen Stadtstaat besucht. Sein Fazit:«Es ist wieder ein Meilenstein, den Philippe Starck in Singapore gesetzt hat, einfach atemberaubend schön und inspirierend.»

Während meiner Besuche in Singapore in den letzten Jahren habe ich als Berater und «Director Interior Design» für Swissôtel regelmässig im 65. Stock des «Swissôtel The Stamford» logiert. Von hier aus beobachtete ich das Wachsen des benachbarten Immobilienprojekts «South Beach» aus der Baugrube zu einem beeindruckenden, bestehende historische und neue Architektur vereinenden Gebäude-Ensemble. Nun hatte ich die Gelegenheit, das kürzlich eröffnete Hotel «The South Beach» zu besichtigen: Es ist wieder ein Meilenstein, den Philippe Starck dort gesetzt hat, einfach atemberaubend schön und inspirierend! Philippe Starck war für mich immer der Meister des modernen, innovativen Hotel-Designs – und er zeigt uns wieder ein- mal: Er kann’s immer noch! Ich habe in vielen von Philippe Starck gestalteten Hotels gewohnt. Das «The South Beach Singapore» spielt in der Liga des «Le Royal Monceau Raffles», Paris, des SLS Hotels Beverly Hills in Los Angeles oder des Delano South Beach Hotels in Miami.

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Hotel in Geschäfts- und Wohnkomplex

South Beach ist ein Geschäfts- und Wohnkomplex an der Beach Road in der Innenstadt von Singapur. Die Anlage umfasst Büros, das Hotel «The South Beach», Geschäfte und Wohnungen. Integraler Bestandteil sind vier denkmalgeschützte, historische Gebäude. Der Gebäudekomplex ist ein glaubwürdig «grünes», ökologisches Projekt, wie für neue Gebäude von der Regierung des Stadtstaates gefordert: Singapore mit seinen Eco-Standards hat auch hier eine Vorreiterrolle in Asien – und vielleicht sogar in der Welt. In Singapore gestaltete Philippe Starck in herausragen- der, bestechend guter Architektur des Architekten Sir Norman Foster (Foster + Partners). Das Hotel hat 654 Zimmer mit durchschnittlich 41m2, inklusive 49 Suiten und zwei Sky Gardens (Aussenterrassen) sowie zwei Pools. Dem Gast stehen drei Bars, ein All-Day-Restaurant, Fitness und viele andere «Social places» zur Verfügung. Ein Ballroom und 19 Meeting Rooms runden das Programm ab.

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Das Global Village

Beim Betreten des Hotels läuft der Gast auf einen grossen haushohen Screen zu, der bewegte Bilder produziert; deren Tiefenwirkung, Dynamik und Farbigkeit suggerieren bei mir Bilder von Asiens quirligen Märkten und ihrer Geschäftigkeit. Die dahinterliegende Lobby führt in die Tiefe des Gebäudes: Hintereinander aufgereiht stehen sieben Reception Desks. Die Lobby wurde «Global Village» getauft, jedes Empfangspult besteht aus Tresen, Rückmöbel, Kronleuchter und Teppich. Und jedes dieser Ensembles repräsentiert stilistisch eine Weltregion. So zum Beispiel der indische Counter: Bei meinem Besuch trug der Rezeptionist hinter dem Counter eine entsprechende indische «Trachten»-Uniform, inklusive Turban.

Spannende Raum- und Zimmer- Inszenierungen


Bereits der Weg zu den Zimmern ist spannend inszeniert. Die Liftwände sind mit feinen grafischen Zeichnungen bedruckt, durch Farbwechsel verändern sich auf verblüffend einfache Art die Motive. Die in weissen und beigen Tönen gehaltenen Korridore strahlen Moderne, Helligkeit und Wärme aus. Beige ist dabei die Hintergrundfarbe von Boden, Decke und Wänden, darüber (wie mit einem groben Pinsel aufgetragen) weisse Streifen. Die Zimmer wirken sehr elegant, sind hell und klar gestaltet. Marmor, polierter Chromstahl, Leder, mit lebhafter und moderner Grafik gestaltete Teppichböden mit Parkett- oder Marmorfliesen. Die Materialisierung ist hochwertig und gekonnt kombiniert. Bequeme und grosse Betten, ein weisses Leder-Daybed entlang der Fensterfront und zeitgemässe Medientechnik.

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Automatischer WC-Deckel…

Das Bad ist ein verspiegelter Kubus im Raum der sich teils zum Raum hin öffnen lässt. Im Bad öffnet sich der WC-Deckel, wenn der Gast das separate WC betritt, japanische Bad-Kultur und Technik mit allem Komfort. Weiss- und Beige-Töne, Naturstein und Keramik harmonieren. Spiegelnde Details, präzise geplante und effektvolle Lichtszenerien auch hier, wie übrigens im gesamten Gebäude. Es gibt eine nur für das Housekeeping von aussen zu öffnende kleine Tür neben der Eingangstür: Hier können Gegenstände zwischen Gast und Service-Mitarbeitern ausgetauscht werden, ohne dass der Raum betreten wird! Eine der vielen Innovationen wie auch die Frauenetagen: speziell nur für Frauen zugängliche Hotel-Korridore und Zimmer. Abgestimmt auf die immer häufiger allein reisenden Business-Women. Schminktische und viele weitere kleine Details zeugen von der Sorgfalt, mit der man dieses Kundinnen-Segment ansprechen und individuell bedienen will.

Bars und Restaurant

Die Bars und das Restaurant sind so platziert und gestaltet, wie es heute sein sollte: öffentlich und einladend zugänglich, casual und relaxed in der Gestaltung. Es geht dabei für den Hotelgast um dieses echte und authentische Ankommen in der Stadt. Weg von pompösen, repräsentativen Lobbys, Restaurants und Bars in Hotels, die als einsame Monolithen in den Städten herumstehen! Hin zu Orten im Hotel, wo sich Gäste und Bewohner der Stadt treffen können. Es sind Hotels, die den Stadtbewohnern deutlich zu erkennen geben, dass auch sie willkommen sind. Unangestrengtes und das Miteinander ermöglichendes Design in den Restaurants und Bars.

Sky Gardens
 mit spektakulärer Sicht


Die Dachterrassen sind doppelgeschossige, mit Bäumen begrünte Zwischengeschosse, gut zu erkennen auf der Fassade des Hotel- Turms. Hier sind verschiedene Bars, Lounges und grosszügige Freiflächen angeordnet. Man kann wegen der ganzjährig tropischen Temperaturen auch mit Sesseln und Tisch in den flachen Teil des Swimmingpools dislozieren und dort kühle Drinks und feine Happen zu sich nehmen. Das kühlt angenehm, und man geniesst den fantastischen Blick auf Singapore und den Pazifik. Der Architekt hat einen Kniff gefunden, den Blick ohne störendes Geländer übergangslos zu ermöglichen. Ich hatte das Gefühl, nun wie Peter Pan loslaufen zu können, um hoch über der Stadt spazieren zu gehen …

Fazit

So wie das ganze Interieur des Gebäudes strahlen auch die Zimmer Wärme und Freundlichkeit aus. Überraschende und liebevoll entworfene Details zeugen vom Wunsch und Willen des Designers den Gast spüren zu lassen, dass er beim Entwurf im Mittelpunkt stand, dass er mehr als willkommen ist. Gleichzeitig, und das ist für mich als Schweizer Hotel-Designer die wichtigste Erkenntnis, ist das Design aus dem Jetzt geboren! Es reflektiert das Heute, ist zeitgemäss, hat klare und schnörkellose Linien, ist nirgends dekorativ überladen. Zusammengefasst ist das «The South Beach» ein sehr gutes Beispiel dafür, dass sich Modernität, Gemütlichkeit und Individualität auch in der Luxushotellerie nicht ausschliessen, sondern das Gegenteil bewirken: dass ein Hotel hervorsticht und sich von den vielen anderen «Einheits-Hotels» positiv abhebt.

Ich habe mich schon oft gefragt, warum es eigentlich immer noch kein vergleichbares Hotel in der Schweiz gibt? Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich unter anderem die neuen Signature Rooms des «Swissôtel Metropole» in Genf gestalten durfte. Die zahlreichen und sehr positiven Gäste Feedbacks belegen, dass die heutigen Hotelgäste Individualität, gutes Design, Modernität, hochwertige Materialien und neue Ideen sehr zu schätzen wissen und vermehrt auch suchen. In diesem Sinne wünsche ich mir, dass die Schweizer Hoteliers bei der Gestaltung ihrer Hotel-Zimmer und Outlets mutiger werden und sich damit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil für die Zukunft sichern.

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